Archiv | Januar 2015

Als ich meine ersten Gongs selbst fertigte

Gongs sind ein zentraler Bestandteil der Instrumente bei der Klangtherapie nach Walter Häfner®. Seit 2007 arbeite ich damit. Sie begeisterte mich und brachte tiefe Einblicke in die vielschichtige Wirkungsweise von Klangschalen und Gongs.

Mit der Zeit entwickelte ich zu meinen Instrumenten eine besondere Beziehung. Beim Spiel verbinde ich mich mit den Klängen, schwinge mit. Gehe in Resonanz. Je mehr ich spielte, desto größer wurde ihr Klangvolumen, ihre Klang-Energie. Vor allem bei den Gongs. Ich möchte sie als „Klangelemente“, ja sogar als „Klang-Wesen“ bezeichnen. Während des Spiels habe ich oft das Gefühl, an bestimmten Stellen anschlagen zu sollen. Stellen mit stärkerer Energie oder solche mit mehr Obertönen. Es ist wie ein Dialog.

So lag es nahe, tiefer in diese Welt der Gongs einzusteigen. Ich machte mich auf die Suche nach einem Lehrer, um mein Gongspiel zu vertiefen, um ihm neue Impulse geben zu können.

Zuerst fand ich allerdings ein Seminar zum Bau von Gongs. Diese selbst fertigen, sich mit dem Material auseinander zu setzen, bis Klänge hörbar werden. Dies erschien mir spannend, ein richtiger Prozess des Schaffens und Werdens. So fuhr ich für ein Wochenende zum Instrumentenbauer Christof Linhuber in die Nähe von Heidelberg.

Mit einigen anderen, zum Teil auch ungeübten „Gongbauern“, fand ich mich in einer Metallbauwerkstatt ein. Mit dem Werkstoff Metall hatte ich bisher noch nicht gearbeitet. Daher war ich sehr neugierig, ob es mir gelänge, einen klingenden Gong fertigen zu können.

Christof zeigte uns zuerst die zur Verfügung stehenden Metalle. Drei Varianten standen zur Verfügung: Bronze, Messing und Neusilber, in Form langer Blechstreifen aus dem Walzwerk und in unterschiedlichen Stärken. Interessant waren die Informationen über die Eigenschaften und Qualitäten der Metalle. Für mich wichtig für die Auswahl des Materials.

Vor der praktischen Arbeit wurden die Arbeitsschritte erläutert:
Metallscheibe mit einer Hebelschere ausschneiden – Rand glatt feilen – die Scheibe mit einem Gasbrenner vorwärmen und dann zum Glühen bringen – abkühlen lassen – hämmern, hämmern, hämmern… dann sollte der Gong klingen.

Einfach – oder?

Das Metall auswählen und die Größe festlegen:
Mein erster Gong sollte aus Messing sein. Für mich reichten als Einstieg erst mal 30 cm. „Wiederholungstäter“ wagten sich an 60cm.

Die Metallscheibe ausschneiden:
die Hebelschere war durchaus schwierig zu handhaben. Christof half zum Glück nach und schon bald hatte ich eine runde Metallscheibe in der Hand. Es galt nur noch den …

… Rand glatt feilen:
ein Metallzirkel hatte einen kreisrunden Rand eingeritzt. Jede Menge überstehender Grate und Kanten. Jetzt alles glatt feilen! Ein gutes Gefühl, mit diesem Metall näher in Kontakt zu kommen. Ein erstes Erfolgserlebnis, als nach und nach das Glätten dieser Scheibe immer mehr gelang.

Zum Glühen bringen:
vor dem Prozess der erneuten Verformung ist es nötig, das Metall aufzuglühen. „Der hohe Druck bei der Herstellung im Walzwerk hinterläßt im Metall besondere Härteverhältnisse, die bei der Bearbeitung mit dem Hammer Haarrisse entstehen lassen können“ wurde uns erklärt.

Das Glühen erfolgt in zwei Schritten:
Zuerst mit dem Gasbrenner langsam am Rand der Scheibe „entlangfahren“. Dies ist die Vorwärmung. Dann erfolgt das eigentliche Glühen. Der Brenner bleibt an einer Stelle, bis sie rot zu glühen beginnt. Dies wiederholt sich Abschnittsweise entlang dem Rand der gesamten Scheibe.

Je nach Legierung zeigen sich Farbmuster auf der Metalloberfläche, welche durch die Hitzeeinwirkung entstehen. Sie bleiben nach dem Erkalten bestehen und geben dem Gong sein individuelles Aussehen. Hier ist eine ruhige Hand wichtig, damit diese Strukturen möglichst gleichmäßig gelingen. Auch sollte die zum Glühen gebrachte Fläche nicht zu weit in die Mitte der Scheibe reichen. Dies würde die Schwingungsfähigkeit des Gongs beeinflussen.

Hier lässt sich sicherlich schon erkennen, dass dieser Arbeitsschritt maßgeblich ist.

Durch das Glühen des Metalls bildeten sich an den verschiedensten Stellen Wölbungen. Meine Gong-Scheibe glich nach dem Abkühlen eher einer Berg- und Talbahn.
Dies galt es nun durch ….

… Hämmern…
wieder zu einer glatten Scheibe werden zu lassen. Hämmern, hämmern, hämmern. Ein Höllenlärm Es ging nur mit Ohrschützern. Und es machte Spaß. Wo hat man schon mal die Gelegenheit, einfach mit einem Hammer draufloszuschlagen? Dies mit einem positiven Gefühl zu verbinden. Obwohl… na ja…

… gezielte Schläge sollten es sein. Mit der Zeit schmerzt der Arm. Hat meine Hand noch genügend Kraft? Soll ich es mal mit Links probieren? In der Gruppe geht alles leichter. Und so glättet sich langsam, was vorher bucklig aussah. Immer wieder wird dieser Arbeitsgang und sein Gelingen in der Gruppe reflektiert, so dass sich aus der Zusammenschau der unterschiedlichen Arbeiten sehr hilfreiche Anregungen ergeben.

Gut, dass Christof immer wieder aushalf. Ein Schlag hier, ein Schlag dort, schon war ein Problem gelöst, auf dass man immer wieder vergeblich drauf schlug. Vor allem, zum Ende hin. Wo ich der Meinung war, es fehlt nur noch bei einer kleinen Wölbung. Ich bekam sie auch schnell glatt, nur dass an anderer Stelle sich die Scheibe wieder hochwölbte. Und dies geschah mehrmals! Geduld und ruhig durchatmen. Ein paar letzte Korrekturen – jetzt passt es!

Der Rand:
eine Spur, mit einem Metallzirkel ca. 10 mm, je nach Größe der Scheibe, vor ihrem Rand eingeritzt, zeigt den „Weg“ für den Hammer. Die Scheibe schräg oder nahezu vertikal auf ein Stück Holz gesetzt, treibe ich mit vielen Schlägen langsam den Rand des Gongs nach oben. Gleichmäßige Schläge, möglichst genau an der vorgezeichneten Stelle – gar nicht so einfach. Der Rand darf nicht zu steil werden, sollte auch nicht zu flach bleiben. Wie den Ausgleich schaffen? Geübte Seminarteilnehmer kriegen dies schon sehr gut hin. Ich gebe mir Mühe, halte inne, erkenne an, dass Übung den Meister macht. Christof hilft auch hier. Der Gong ist fertig.

Der Klang:
zwei Löcher bohren, Schnur verknoten, Gong hochhalten und anschlagen: er klingt!

Die anderen aber auch. Die aus demselben Metall ähnlich, die übrigen heller oder tiefer. Es gibt Unterschiede. Einige Gongs klingen länger nach, bei anderen verebbt ein Ton schneller. So auch meiner. Hier liegt es an dem Rand, der etwas zu flach geraten ist. Nun gilt es die empfundene Unvollständigkeit anzunehmen und sich trotzdem zu freuen.

An diesem Wochenende konnte ich noch zwei weitere Gongs fertigen: Einen Gong mit 30 cm aus Neusilber und einen Bronzegong mit 45 cm Durchmesser.

In einem weiteren Seminar erstellte ich mir noch einen kleinen Gong aus Bronze und einen 45 cm Messinggong ohne Rand. Einen Feng-Gong. Für diesen arbeitete ich einen ganzen Tag lang. Dies war ein besonderer Prozess, der Achtsamkeit, gezieltes Verwenden des Hammers und ein Eingehen auf das Material verlangte.

Jetzt besitze ich 5 selbst gefertigte Gongs. Jeder ist einzigartig, egal wie (un)-vollständig er geworden ist. Meine Energie steckt darin. Es ist eine Freude, sie zu verwenden. Einzeln oder in unterschiedlicher Zusammensetzung. Intuitiv gespielt oder rhythmisch. Dieser Schaffensprozess war eine sehr gute Erfahrung.

Übrigens, einen Lehrer, um mein Gongspiel zu vertiefen, fand ich, als ich meine ersten selbst gefertigten Gongs schon besaß. Rainer Rabus lehrte mich, dass Rhythmus auch etwas mit Mathematik zu tun hat, dass Rhythmik zuerst über den Körper erfahren werden soll und dann diese mit einer ganz anderen Energie und Dynamik auf Gongs oder auch auf Klangschalen gespielt werden kann. Wenn ich einen bestimmten Rhythmus langsam, monoton und mit bestimmten, immer wiederkehrenden, Impulsen spiele, gelange ich an die Essenz dieses Rhythmus.

Messing-Gong, 30 cm

Messing-Gong, 30 cm

Detailansicht Messing-Gong

Detailansicht Messing-Gong

 

 

 

 

 

 

Gong aus Neusilber, 30 cm

Gong aus Neusilber, 30 cm

 

 

 

 

 

 

 

Gong aus Bronze, 30 cm

Gong aus Bonze, 30 cm

 

 

 

 

 

 

 

Feng-Gong, Messing, 45 cm

Feng-Gong, Messing, 45 cm

 

 

 

 

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